Wenn Jì Jì in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand der erreichten Ordnung. Der Zustand lautet: Eine Sache — eine Beziehung, ein Werk, eine Lage — hat ihre richtige Form gefunden; jede Linie steht an ihrem Platz; und genau in dieser perfekten Konstellation liegt schon die nächste Aufgabe verborgen.
Wasser über Feuer: in der klassischen Bildwelt der Kochkessel im Moment der vollendeten Speise. Jede der sechs Linien steht an ihrem korrekten Platz — Yang an den ungeraden, Yin an den geraden. Es ist die einzige Konstellation im Buch, in der die Stellung mathematisch vollkommen ist. Doch diese Vollkommenheit ist auch ihr Untergang: Was so steht, kann nur noch zerfallen.
Was das Buch rät, ist die seltsame Pädagogik der erreichten Stunde: Bedenke das Unglück und rüste dich im Voraus dagegen. Genießen, ja — aber wachsam. Bewahren, ja — aber ohne den Selbstbetrug, dass das Bewahrte sich von selbst hielte. Jede Vollendung verlangt die nüchterne Frage, was im nächsten Augenblick anders sein wird.
Jì Jì steht im Buch an vorletzter Stelle, dicht vor Wèi Jì — der Schwelle vor der Vollendung. Das Buch endet nicht mit der Vollendung, sondern mit dem Noch-nicht. Es ist die schönste und ernsteste Geste der ganzen King-Wen-Folge: Die Ordnung ist nicht der Ruhepunkt, sondern die Schwelle zum nächsten Beginn.