Wenn Jié in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Grenze gefunden werden muss — nicht zu weit, nicht zu eng. Der Zustand lautet: Etwas verlangt jetzt eine bestimmte Form, eine Begrenzung, eine Regel — und die Kunst liegt darin, sie streng genug zu setzen, dass sie hält, und milde genug, dass sie nicht das Leben tötet.
Wasser über See: in der klassischen Bildwelt das Bild des Beckens, das den See bildet. Ohne Becken kein See — das Wasser zerrinnt; mit zu engem Becken wird der See austrocknen oder überlaufen. Jié ist die Lehre vom rechten Maß, nicht von der Maximierung der Strenge.
Was das Buch rät, ist erstaunlich genau: Erschaffe Zahl und Maß — also: definiere die Grenze ausdrücklich, mach sie sichtbar und benennbar; und untersuche die Tugend und Pflicht — also, prüfe, ob die Grenze dem Wesen der Sache entspricht und nicht nur der Laune. Die bittere Begrenzung, die jede Freude tötet, soll nicht beharrlich sein.
Jié steht im Buch nach Huàn — der Auflösung. Das Buch sagt damit: Was sich gelöst hat, braucht eine neue Form, sonst zerrinnt es. Doch die Form darf nicht zur Strafe für das eben Befreite werden; das ist die feine Balance, die Jié verlangt.