Wenn Huàn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem das Erstarrte sich wieder löst. Der Zustand lautet: Eine Lage — innerlich oder äußerlich — war versteift, und jetzt beginnt sie zu schmelzen; die Aufgabe ist, das schmelzende Wasser nicht versickern zu lassen, sondern in eine neue Form zu führen.
Wind über Wasser: in der klassischen Bildwelt der warme Frühlingswind, der das Eis aufbricht. Huàn ist eine der zärtlichsten Bewegungen des Buches — nicht der gewaltsame Bruch, sondern das geduldige Erweichen. Das Wasser, das eben noch starr war, wird wieder Strom.
Was das Buch rät, ist die Sammlung im Augenblick der Lösung. Die früheren Könige errichteten Tempel — also: sie schufen einen Ort, an dem das schmelzende Wasser einen Sinn fand. Übertragen: Wer im Augenblick der Auflösung eine neue Mitte stiftet, dem wandelt sich die Auflösung zur Erneuerung.
Huàn steht im Buch nach Duì. Das Buch sagt damit: Aus dem heiteren Gespräch entsteht die Kraft, das Erstarrte zu lösen. Wer in Duì das Lachen gefunden hat, dem fällt es leichter, in Huàn das Eis brechen zu lassen.