Wenn Jiàn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Reihenfolge wichtiger ist als die Eile. Der Zustand lautet: Eine Sache will durchlaufen werden — Stufe für Stufe, in eigener Frist —, und der Versuch, eine Stufe zu überspringen, bringt das Ganze zum Einsturz.
Baum auf Berg: in der klassischen Bildwelt der Storch, der in jedem der sechs Linien-Zeichen eine andere Höhe erreicht — Ufer, Felsen, Land, Baum, Hügel, Wolken. Jiàn ist das Bild der Reife, die nicht zu beschleunigen ist. Die Heimführung der Tochter durchläuft im alten Ritual sechs Stufen, jede mit eigenem Sinn.
Was das Buch rät, ist Geduld mit der Stufe, auf der Sie gerade stehen. Verharren Sie in der würdigen Tugend — also: tun Sie das, was die jetzige Stufe verlangt, in der ihr gebührenden Weise. Wer die nächste Stufe vorwegnimmt, verfehlt die jetzige; wer die jetzige treu durchlebt, dem öffnet sich die nächste von selbst.
Jiàn steht im Buch nach Gèn — dem Stillehalten. Das Buch sagt damit: Aus der inneren Stille wächst die Fähigkeit, die Stufen wahrzunehmen, ohne sie zu überspringen. Ohne Gèn würde Jiàn zur Ungeduld; ohne Jiàn würde Gèn zur Erstarrung.