Wenn Gèn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Bewegung nicht durch Anstrengung beendet wird, sondern durch das Aufhören der inneren Bewegung selbst. Der Zustand lautet: Es kommt jetzt nicht auf das nächste Tun an, sondern auf das Aussetzen des Treibens, das das Tun bisher in Atem hielt.
Berg auf Berg: in der klassischen Bildwelt das stillste aller acht reinen Hexagramme. Gèn ist nicht die Stille, in der gewartet wird (Xū), und nicht die Stille, in der geschaut wird (Guān); es ist die Stille, in der das Sich-selbst-Bewegen aufhört. Der Rücken, der nicht mehr von sich weiß, ist das Bild dieser Stille.
Was das Buch rät, ist eine seltene Disziplin: Geht in den Gedanken nicht über die Lage hinaus. Das Hexagramm wendet sich gegen die innere Hetze, die immerzu Pläne entwirft, Befürchtungen schmiedet, Rechtfertigungen sammelt. Wer den Geist auf die Lage zurückführt — den Rücken auf seine bloße Stellung —, dem wird die Lage selbst zur Antwort.
Gèn folgt unmittelbar auf Zhèn. Das Buch sagt damit: Nach der Erschütterung kommt das Stillehalten, und beide gehören in dieselbe Lehre. Wer in Zhèn den Opferlöffel hielt, der lernt in Gèn, dass selbst das Halten irgendwann zur reinen Stille wird.