Wenn Guān in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem das richtige Handeln nicht zuerst eine Frage der Tat ist, sondern eine des Sehens. Der Zustand lautet: Sie stehen vor einer Lage, in der voreiliges Greifen die Sache verfehlt; was jetzt zählt, ist die ehrliche, ungetrübte Betrachtung.
Wind, der über die Erde streicht: in der klassischen Bildwelt das Wesen des Beobachters — überall hin gelangend, nirgends festhaltend, alles berührend. Das Bild des Priesters zwischen Waschung und Opfer ist die genaueste Pose, die das Buch dem Augenblick des bewussten Innehaltens gibt.
Was das Buch rät, ist eine zweifache Arbeit: nach außen die Welt sehen, wie sie ist, und nach innen die eigene Haltung prüfen, mit der man sieht. Die früheren Könige beschauten zuerst, lehrten dann; sie hielten die Lehre nicht für selbstverständlich.
Guān steht im Buch nach Lín. Das Buch sagt damit: Wer sich genähert hat, muss als nächstes lernen zu sehen, was er angenähert hat. Ohne diese Pause des Sehens wird die Annäherung zur Vereinnahmung. Die Betrachtung ist der innere Halt, der die nächste Bewegung trägt.