Wenn Dǐng in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Wandlung des Rohen in das Tragfähige im Mittelpunkt steht. Der Zustand lautet: Etwas verlangt jetzt, dass es nicht nur gesammelt, sondern verwandelt wird — durch Hitze, durch Zeit, durch sorgfältige Arbeit am Gefäß.
Feuer über Holz: in der klassischen Bildwelt das gewaltige bronzene Opfergefäß, der dǐng, das die Mahlzeit für die Ahnen kocht. Es ist das Bild der Zivilisation selbst — der Mensch, der nicht mehr roh isst, sondern das Rohe in Speise verwandelt; die Arbeit, die aus Naturstoffen Kultur macht.
Was das Buch rät, ist die berichtigte Stellung — also: die richtige Pose, die rechte Form, der genaue Ort. Im Bild der Kessel-Beine wird im Hexagramm jede einzelne Linie zu einer Stellung des Gefäßes; nur wenn der Kessel gerade steht, wird das Mahl gut. Übertragen: nur in der rechten Haltung gelingt die Verwandlung.
Dǐng folgt unmittelbar auf Gé. Das Buch sagt damit: Nach der Wandlung kommt das neue Gefäß. Wer die alte Ordnung abgelegt hat, dem fällt jetzt die Aufgabe zu, die neue zu bauen — und das ist nicht weniger Arbeit als die Wandlung selbst. Es ist die Stunde, in der die Zivilisation Form annimmt.