Wenn Jǐng in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die wesentliche Quelle wichtiger ist als alle äußeren Verhältnisse. Der Zustand lautet: Die Stadt um Sie wechselt — Aufgaben, Orte, Personen, Lagen — doch der Brunnen, aus dem Sie schöpfen, bleibt derselbe; achten Sie auf ihn.
Wasser über Holz: in der klassischen Bildwelt der alte Schöpfbrunnen, dessen Holzgestell das Wasser hebt. Jǐng gehört zu den ältesten Bildern des Buches — die Stadt wird verlegt, die Dynastien wechseln, die Menschen kommen und gehen, doch der Brunnen ist immer da, gibt jedem, kennt keinen Verlust und keinen Gewinn.
Was das Buch rät, hat zwei Seiten: nach außen die gegenseitige Hilfe — denn der Brunnen wird nur dann gepflegt, wenn die Gemeinschaft ihn nutzt und teilt; nach innen die ernste Pflege der eigenen Quelle. Die Mahnung am Ende des Urteils ist erschütternd genau: Wer im letzten Augenblick — fast schon am Ziel — den Krug zerbricht, hat alle Mühe vergebens getan.
Jǐng steht im Buch nach Kùn. Das Buch sagt damit: Auch in der Bedrängnis bleibt der Brunnen; was die Stunde der Dürre überdauert, ist nicht das Gefäß, sondern die Quelle. Wer in Kùn die Quelle verloren hat, dem hilft auch Jǐng nicht mehr.