Wenn Kùn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die gewohnten Hilfen versagen. Der Zustand lautet: Sie sind erschöpft, die Helfer kommen nicht, das Sagen findet kein Gehör — und genau in dieser Lage zeigt sich, was an innerer Kraft wirklich da ist.
Trockenes Seebett: in der klassischen Bildwelt eines der härtesten Bilder, das das Buch verwendet. Kùn ist nicht die vorübergehende Erschwernis; es ist der Augenblick, in dem das gewohnte Gefäß leer liegt. Wer jetzt in der Klage versinkt, vergeht; wer das Innere bewahrt, dem öffnet sich nach langer Zeit der nächste Weg.
Was das Buch rät, ist von erschütternder Klarheit: Wer etwas zu sagen hat, findet kein Gehör — also schweige er. Das ist nicht Resignation; es ist die Einsicht, dass die Stunde nicht für Worte gemacht ist. Der Edle setzt sein Leben ein, um seinen Willen durchzusetzen; das heißt: er hält die Sache fest, auch wenn niemand sie ihm bestätigt.
Kùn steht im Buch nach Shēng — dem Aufsteigen. Das Buch sagt damit: Selbst nach langem Wachsen kommen Stunden der Dürre; das eine schließt das andere nicht aus. Doch die Reihenfolge mahnt zur Geduld — wer in Shēng nicht eitel wurde, dem trägt Kùn nicht das letzte Wort.