Wenn Kuí in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand stiller Entfremdung. Der Zustand lautet: Es gibt eine Verbindung — zwischen Menschen, zwischen Anliegen, zwischen Teilen Ihrer selbst —, die ihre Spannung nicht in offenem Streit zeigt, sondern in einem leisen, beständigen Auseinanderdriften.
Feuer über See: in der klassischen Bildwelt die beiden Töchter desselben Hauses, die unterschiedliche Wege gehen. Kuí ist nicht der Krieg (Sòng), sondern die fremde Sprache, die sich zwischen Vertrauten einschleicht. Was vorher selbstverständlich war, wird übersetzungsbedürftig.
Was das Buch rät, ist demütig und konkret: In kleinen Dingen ist Glück. Die große Versöhnung kann jetzt nicht inszeniert werden; sie würde gekünstelt wirken. Doch die kleinen Brücken — eine Geste, ein Wort zur rechten Zeit, eine geteilte Mahlzeit — halten und tragen weiter, als man denkt.
Kuí steht im Buch nach Jiā Rén. Das Buch sagt damit: Selbst im wohlgeordneten Haus entstehen Entfremdungen; sie sind nicht das Ende, aber sie verlangen eine andere Klugheit. Wer in dieser Stunde Geduld mit dem Kleinen hat, dem schließt sich die Lücke.