Wenn Sòng in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem Reibung nicht aus Missverständnis entsteht, sondern aus der tatsächlichen Verschiedenheit der Richtungen. Der Zustand lautet: Sie und das Gegenüber wollen wirklich nicht dasselbe, und kein noch so kluges Wort wird das vorerst ändern.
Himmel über Wasser: die beiden Elemente, die sich am weitesten voneinander entfernen, einander am wenigsten begegnen. In der klassischen Kosmologie ist dies das Bild eines Streites, der nicht aus bösem Willen entsteht, sondern aus der Natur der Sache — wie zwei Flüsse, die niemals in derselben Senke münden.
Was das Buch rät, ist nicht das Recht-Behalten, sondern das rechtzeitige Anhalten. Wer in der Mitte des Streits innehält, gewinnt; wer bis zum Schluss prozessiert, verliert auch dann, wenn er Recht bekommt. Sucht den großen Mann — die dritte Instanz, den Vermittelnden — und vermeidet das Aufbrechen zu großen Vorhaben in dieser Stunde.
Sòng steht früh in der King-Wen-Folge, gleich nach Xū. Das Buch sagt damit: Wer nicht warten kann, gerät in Streit. Beide Hexagramme handeln vom Umgang mit der Zeit; das eine lehrt das Halten, das andere die Folgen des Nicht-Haltens.