Wenn Kǎn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, der nicht beschönigt werden darf. Der Zustand lautet: Es liegt eine ernste Schwierigkeit vor — keine Übung, keine Probe, sondern eine echte Tiefe —, und das Buch verspricht keinen leichten Ausweg.
Wasser über Wasser: in der klassischen Bildwelt der Strom, der durch eine Schlucht zieht, dann durch die nächste, dann durch die übernächste. Kǎn ist nicht die einmalige Krise, sondern die wiederholte; es ist die Tugend dessen, der die Tiefe schon kennt und sie trotzdem noch einmal durchquert.
Was das Buch rät, ist nicht Flucht und nicht Wagnis, sondern Wahrhaftigkeit im Herzen. Wer in der Schlucht den inneren Anker hält — den, der unabhängig von der Lage gilt —, dem öffnet sich Verdienst. Wer ihn verliert, ertrinkt nicht im Wasser, sondern in der eigenen Verwirrung.
Kǎn ist eines der acht reinen Hexagramme — beide Trigramme sind dasselbe. Es steht im Buch dort, wo die Bewegung tief gehen muss, bevor das nächste Hexagramm — Lí, das Haftende — das Licht zurückbringt. Das Buch erinnert daran, dass die Tiefe nicht beredet, sondern durchquert wird.