Wenn Sǔn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Großzügigkeit des Weglassens mehr wert ist als das Hinzufügen. Der Zustand lautet: Etwas — eine Tätigkeit, ein Wunsch, eine Bindung, ein Aufwand — verlangt jetzt, zurückgenommen zu werden, nicht aus Mangel, sondern aus Klugheit.
See unter Berg: in der klassischen Bildwelt ein Becken, dessen Wasser abgesenkt wird, damit der Berg dahinter klarer zur Erscheinung kommt. Sǔn ist nicht die erzwungene Armut; es ist die freiwillige Reduktion, in der das Wesentliche freigelegt wird. Zwei Körbe statt der vielen — das ist nicht weniger Verehrung, sondern wahrere.
Was das Buch rät, hat eine ungewöhnliche Tiefe: Bändigen Sie den Zorn, dämpfen Sie die Triebe. Verminderung ist hier nicht nur eine äußere Sparsamkeit, sondern eine innere — das Loslassen dessen, was Sie umtreibt, ohne dem Ganzen zu dienen. Wer dies tut, dem öffnet sich der Weg.
Sǔn steht im Buch zwischen Xiè (Befreiung) und Yì (Mehrung). Das Buch sagt damit: Erst löst sich der Knoten, dann nimmt man sich zurück, dann mehrt sich, was wirklich tragfähig ist. Die Reihenfolge ist eine Lehrer von Maß: ohne Sǔn würde jede Mehrung in der Lockerheit zerrinnen.