Wenn Míng Yí in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem das offene Zeigen der eigenen Klarheit Schaden bringen würde. Der Zustand lautet: Die Umgebung ist nicht günstig, und die Aufgabe ist nicht das Sich-Behaupten, sondern das schützende Bedecken des Inneren.
Sonne unter Erde: in der klassischen Bildwelt der Abend, der schon Nacht geworden ist. Das Hexagramm verweist auf das alte Bild des weisen Ministers, der unter einem ungerechten Herrscher dient — der weiß, was richtig wäre, und es nicht aussprechen darf, ohne sich und andere zu gefährden.
Was das Buch rät, ist eine zweifache Disziplin: nach außen mit der großen Menge zu leben, sich nicht abzusondern, keinen Anlass zur Verfolgung zu geben; nach innen die eigene Klarheit beständig zu pflegen, damit sie, wenn der Tag wiederkommt, noch da ist. Das Verbergen ist hier kein Verrat, sondern eine Schule der Beharrlichkeit.
Míng Yí folgt unmittelbar auf Jìn. Das Buch sagt damit: Auf das sichtbare Aufsteigen kann die Verdunkelung folgen, und beide gehören in dieselbe Lehre. Wer im Aufgang nicht eitel wurde, der weiß auch in der Verfinsterung, dass das Licht nicht verschwindet, sondern nur seinen Ort wechselt.