Wenn Dà Zhuàng in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem die Mittel zur Bewegung vorhanden sind und die Gefahr nicht in der Schwäche liegt, sondern in der Versuchung zur Überschreitung. Der Zustand lautet: Sie können — und genau deshalb müssen Sie prüfen, was richtig ist, bevor Sie es tun.
Vier Yang-Linien unter zwei Yin-Linien: in der klassischen Bildwelt das wachsende Licht des Frühlings, das gegen den Winter aufbricht. Doch das Hexagramm trägt eine Mahnung im Namen — Zhuàng heißt nicht nur Kraft, sondern auch Versteifung. Wer nur drückt, dem fehlt das Gelenk.
Was das Buch rät, ist eine ungewöhnlich strenge Form der Selbstdisziplin. Der Edle tritt nicht auf einen Pfad, der dem Anstand nicht entspricht — und zwar gerade, wenn er die Macht hätte, dies zu tun und ungestraft davonzukommen. Das Maß wird hier nicht von außen aufgezwungen; es wird gewählt.
Dà Zhuàng folgt unmittelbar auf Dùn. Das Buch sagt damit: Nach dem Rückzug kommt die Stunde der wiedererstarkten Kraft. Doch die Reihenfolge ist kein Triumph; sie ist eine Schule. Wer den Rückzug nicht gelernt hat, dem wird die wiedererworbene Macht zur Falle.