Wenn Kūn in Ihrer Lesung erschienen ist, benennt das Buch einen Zustand, in dem das Empfangen und Tragen vor dem Handeln rangiert. Der Zustand lautet: Die Welt verlangt jetzt Hingabe und Weite, nicht Initiative.
Sechs gebrochene Linien, die Erde über der Erde. In der klassischen chinesischen Kosmologie ist dies das Feld, das alles aufnimmt, was der Himmel sendet — Regen, Licht, Samen — und es in Pflanzen, Tiere, Nahrung verwandelt. Das Bild der Stute kommt nicht zufällig: Sie ist stark, ausdauernd, läuft tagelang und folgt dem Reiter, ohne ihre eigene Natur zu verlieren.
Was das Buch rät, ist nicht Passivität, sondern ein bestimmtes Folgen: dem nachzugehen, was bereits in Bewegung ist, anstatt eine eigene Richtung aufzudrängen. Wer voranstürmt, verirrt sich; wer hinterdrein geht, findet den Herrn — also das Ordnungsprinzip, dem die Sache gehorcht.
Doch Kūn ist nicht Unterwürfigkeit. Das Hexagramm warnt: Im Westen und Süden — den Richtungen der Erde — finden Sie Gefährten; im Osten und Norden — den Richtungen des Himmels — verlieren Sie sie. Wählen Sie die Bühne, auf der das Empfangen Sinn ergibt.